Bonn/Ruppertsberg – In der letzten Nacht hat US-Präsident Trump einen Plan für gegenseitige Handels- und Zollmaßnahmen angekündigt. Nach Trumps Plan werden die USA ab 9. April 2025 Zölle in Höhe von 20 % auf Weine aus der EU erheben. Der Verband der Deutschen Weinexporteure (VDW) verurteilt den Handelsstreit auf dem Rücken des Weinsektors scharf.
Der amerikanische Weinmarkt ist mit Abstand der bedeutendste Markt für die europäischen und deutschen Weinexporteure. Im Jahr 2024 waren die USA mit Weinimporten aus der EU im Wert von 4,88 Milliarden Euro weiterhin der größte Exportmarkt für EU-Weine. Die Ausfuhren in die USA machten 28 % des Gesamtwerts der EU-Weinexporte aus. Der Export in die USA ist auch für deutsche Weinerzeuger – trotz sinkender Tendenz – nach wie vor ein wichtiges Standbein im Export mit 133.000 Hektolitern im Jahr 2024 und einem Exportwert von ca. 63 Millionen Euro.
„Die angekündigten Zölle auf EU-Weine werden die deutschen und europäischen Weinunternehmen hart treffen und insgesamt zur Verstärkung der wirtschaftlichen Unsicherheit führen. Durch die Strafzölle wird es erneut zu einem Einbruch im Exportgeschäft für unsere Weinunternehmen kommen. Zölle in dieser Höhe können nicht an den Konsumenten weitergegeben werden“, so Gerhard Brauer, Vorsitzender des Verbandes Deutscher Weinexporteure. „Aber auch für die USA werden Investitionstops, Preiserhöhungen und eine damit verbundene höhere Inflation die Folge sein. Europäische Weine ins Visier zu nehmen, wird auf beiden Seiten des Atlantiks nur Verlierer hervorbringen. Wir fordern eindringlich, dass sich dieser Handelsstreit nicht weiter hochschaukelt! Der amerikanische Weinmarkt ist mit Abstand der bedeutendste Markt für den europäischen und deutschen Weinsektor – es gibt keinen alternativen Weinmarkt, der den Verlust des US-Marktes ausgleichen könnte.“ fährt Brauer fort.
Als Reaktion auf diese Zölle äußerte sich die Präsidentin der Europäischen Kommission, Ursula von der Leyen, sehr besorgt und nannte den Schritt einen „schweren Schlag“ für die Weltwirtschaft. Sie bekräftigte die Bereitschaft der EU zu Verhandlungen, bestätigte aber, dass Gegenmaßnahmen in Vorbereitung seien. Die Zeit für Verhandlungen ist sehr knapp, da die Zölle der USA bereits am 9. April in Kraft treten werden. Der Verband Deutscher Weinexporteure hält in jedem Fall seine Forderung aufrecht, dass im Falle von Gegenmaßnahmen US-Weine aus der EU-Liste möglicher Produkte, die Gegenstand künftiger Vergeltungsmaßnahmen sein könnten, gestrichen werden.
„Die Tatsache, dass die EU stärker betroffen ist als andere Handelspartner, zeigt wieder die geopolitische Dimension dieses Handelskonflikts. Im Ergebnis sind Konkurrenten auf dem US-Weinmarkt wie Chile, Argentinien, Neuseeland und Australien nur einem Strafzoll von 10 % ausgesetzt und daher im Vorteil “, so VDW-Geschäftsführer Christian Schwörer.
Die Weinsektoren der EU und der USA arbeiten seit Jahren eng zusammen und unterstützen nachdrücklich den freien und fairen Handel und offene Märkte für Wein. „Die Einführung gegenseitiger Zölle auf den transatlantischen Weinhandel erscheint nicht gerechtfertigt, wenn man bedenkt, wie gering der Unterschied zwischen den Zöllen der EU und der USA auf Weinprodukte ist. Gemeinsam mit den amerikanischen Kollegen hat unserer europäischer Dachverband CEEV sich konsequent gegen die Einführung von Zöllen auf Wein in der ganzen Welt ausgesprochen und die Abschaffung der auf unseren Märkten geltenden Zöllen gefordert“, fasst Schwörer zusammen. „Die EU und die USA müssen sich erneut um eine Verhandlungslösung bemühen, die die Anwendung von Zöllen auf Weinerzeugnisse verhindert. Diese Lösung könnte in Form eines fairen und auf Gegenseitigkeit beruhenden Handelsabkommens für Wein erfolgen“, fordert der VDW-Vorsitzende Gerhard Brauer abschließend.
Der Verband Deutscher Weinexporteure, kurz VDW, ist der Interessenverband der Exporteure deutscher Weine. Er setzt sich dafür ein, die Interessen seiner Mitglieder auf nationaler, europäischer und internationaler Ebene zu vertreten. Der VDW hat seinen Sitz in Bonn.